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Arthur Seyfarth und seine Rasse-Hunde-Zuchtanstalt Köstritz


 

In der Region zwischen Gera, Jena und Eisenberg, dem sogenannten Holzland, entstanden zahlreiche Hunde-Großhändler ab den 1850ern.

Besonders prominent und erfolgreich in der Region war Arthur Seyfarth mit seiner Ersten deutschen Rassehunde-Zuchtanstalt und -Handlung in Bad Köstritz - auch bekannt als „Grand établissement d' élevage des chiens de race noble" - 1864 gegründet.


Er inserierte europaweit in vielen Zeitungen und fertigte in regelmäßigen Abständen Kataloge an, die kurze "Rassebeschreibungen", zuerst Zeichnungen und später Fotos der Rassehunde und die Verkaufspreise enthielten. Diese waren eigentlich nichts anderes als Verkaufsprospekte und Preislisten und enthielten die jeweiligen Hunde, Preise und Bestellnummern, die in einem Bestellformular eingetragen werden konnten. [1]


Album edler Rasse-Hunde von 1905
Album edler Rasse-Hunde von 1905

Bestellschein für Rassehund per Post oder Expressgut Anstalt Bad Köstritz in Thüringen
Bestellschein für einen Hund bei Arthur Seyfahrt Nachf. Müller & Co.

Die Preise der Hunde lagen zwischen 25 bis 100 Mark in wilhelminischer Währung; hinzu kamen die Frachtkosten (z.B. London 35 Mark und New York 100 Mark), denn die Tiere wurden verschickt. Ältere Hunde waren teurer als junge, da sie „erzogen" bzw. „stubenrein" waren oder Preise auf Ausstellungen erlangt hatten.

Rüden waren teurer als Hündinnen, Hunde konnten paarweise bestellt werden und waren dann etwas günstiger als einzeln.

Die Hunde von Seyfarth gewannen Preise in ganz Europa. Die Kundschaft kam aus dem europäischen Adel, dem Militär und dem Bürgertum. Die Hunde wurden als Jagd-, Schutz-, Renommier- und Zimmerhunde angeboten. [1]



Ort der Hundezucht-Anstalt und Hundehandels


In den Verkaufskatalogen von Arthur Seyfarth wird seine Villa im Kupferstich gezeigt.

Die im klassizistischen Stil erbaute Villa in der heutigen Bahnhofstraße 51 in Bad Köstritz stammt vermutlich aus der Zeit um 1870. Eine geschwungene Treppe führt zum Haupteingang mit Veranda. Beim Betreten des Hauses kam man in einen prunkvollen saalartigen Raum, der einen Großteil des Erdgeschosses einnahm. Im Obergeschoss war ein repräsentativer Balkon mit schmiedeeisernen Verzierungen verbaut. Das Flachdach zierte ringsum eine eiserne Balustrade mit großen Masten, die die Initialen „AS“ (Arthur Seyfarth) zeigten. [2]


Die Villa von Arthur Seyfarth mit Anschluss an die Rassehundeanstalt in Bad Köstritz, Holzstich
Die Villa von Arthur Seyfarth mit Anschluss an die Rassehundeanstalt

Die Rassehunde-Zuchtanstalt in Köstritz befand sich auf einem 10.000 qm Grundstück in der

Nähe der Bahn, was wichtig war, weil die meisten Hunde mit der Bahn zu den Kunden verschickt und exportiert wurden. Seyfarth liebte protzige Bauten im wilhelminischen Stil. Seine Zuchtanstalt galt damals als modernste Einrichtung in Europa.


Die Villa steht heute noch ohne der aufwendigen Balustrade. Der Vorderbau wurde verändert. Das Grundstück mit direktem Anschluss an die Zuchtanstalt wird heute durch die Bahnhostraße voneinander getrennt.


die heutige Villa Seyfahrts in Bad Köstritz
So sieht die Villa Seyfahrts heute aus

Ein Blick in die Anstalt und Zwinger

Innere Ansicht der Zwinger - Zuchtanstalt Köstritz Arthur Seyfarth
Innere Ansicht der Zwinger

Der Preiskatalog Album edler Rassehunde. Deutsche Ausgabe. Arthur Seyfarth Nachf., Müller & Co. Bad Köstritz - Ausgabe ca. zwischen 1920-1935

Katalog Rassehundeanstalt_1_c
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Aus einer älteren Ausgabe:

Angebot über Wolfsspitze & Großsspitze (Löwenspitze) aus dem Verkaufsprospekt Arthur Seyfarth
Angebot über Wolfsspitze & Großsspitze (Löwenspitze)

Zeitweise wurden bis zu 40 verschiedene Hunderassen angeboten: Insbesondere sehr große Molosser wie die sogenannten "Riesenberghunde", Neufundländer, Bernhardiner und den Deutschen Colossal-Doggen. Daneben wurden Schäferhunde, Terrier, ausgebildete Vorstehhunde, Pudel, Malteser und auch Zwergspitze, Großspitze und Wolfsspitze zum Verkauf angeboten. In den ersten Ausgaben dieses Prospekts wurde der Großspitz als Löwenspitz bezeichnet und in den Farben schwarz, weiß, wolfsgrau, fuchsrot und braun verkauft. [1]


Der Preis für einen Großspitz Welpen, männlich ca. 2 Monate betrug zur damaligen Zeit 30 Mark. Nach der Umrechnungstabelle der Deutschen Bundesbank würde das in der heutigen Zeit in etwa 240 Euro (aufgerundet) entsprechen.

Ein ca. 1 Jahre alter Großspitz Rüde konnte bis zu 1.592 Euro wert sein, eine Hündin im gleichen Alter nur 796 Euro. [3]



 

Empfehlung zur weiteren Literatur:

 

Quellen:

  • [1] Album edler Rasse-Hunde. Deutsche Ausgabe, Selbstverlag, Arthur Seyfarth, 1905

  • [2] www.stadtbadkoestritz.de

  • www.wallenfels-pinscher.de

  • heimatverein-bad-köstritz.de

  • www.pohlitz-bk.de

  • Schön, J., Rassekennzeichen der Hunde, 1895, 2. Auflage

  • Seyfarth, Arthur, Der Hund und seine Rassen, 1891, 7. Auflage

  • Seyfarth, Arthur, Katalog edler Rassehunde, 49. Auflage

  • Seyfarth, Arthur, Catalogue de chiens de race nobles, ca. 1906

  • [3] www.bundesbank.de - Kaufkraftäquivalente historischer Beträge in deutschen Währungen

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