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Entstehung der deutschen Rassehunde-Vereine (1839 -1899)


 

Erster Hunderassen-Verein aus Hannover


1839 wurde der Hannoverscher Jagdverein als einer der ersten Rassehundevereine in Hannover gegründet. Er beschäftigte sich insbesondere mit importierten Pointern und Settern aus England. 14. April 1878 wurde er umgenannt in den Verein zur Veredelung der Hunderassen.


In etwa ab 1850 begann sich das Hundewesen in Europa Schritt für Schritt weiter zu organisieren. Neben dem Veranstalten von Aussstellungen gehörte die Veredelung der Hunderassen und die Führung von Zuchtbüchern je Rasse zu den Hauptaufgabe der ersten Commissionen.

Großbritannien war Vorreiter und Vorbild: In Birmingham gründete sich 1859 die Dog Show Society und 1873 der Kennel Club in London. Die deutsch-englischen Beziehungen waren auch im kynologischen Bereich, Dank der dynastischen Beziehungen des Hauses Hannover, so intensiv, dass die Einführung englischer Hunderassen nach Deutschland und deutscher Hunderassen nach England schon früh an Bedeutung gewann. [5]




Die erste internationale Hundeaustellung


In Deutschland wurde 1863 in Hamburg im Rahmen der internationalen Landwirtschaftsausstellung die erste große Hunderassenausstellung gehalten. [1] [2]


Landwirtschaftsaustellung in Hamburg, Heiligengeistfeld 1863, Holzstich
Internationale landwirtschaftliche Ausstellung in Hamburg Heiligengeistfeld 1863

Bei der ersten internationalen Hundeausstellung vom 14. bis 20. Juli 1863 wurden 453 Hunde gezeigt und prämiert. Sie war Teil der internationalen Landwirtschaftsausstellung auf dem Heiligengeistfeld-Gelände, doch wurde sie nicht im Begleit-Catalog erwähnt, da sie etwas abseits in der Turnhalle des Hamburg-St.-Pauli-Turnvereins statt fand. Die Mehrheit der Tiere wie auch die Richter und Händler bei dieser Veranstaltung kamen aus Großbrittanien. [3], [5]



Bei den folgenden Ausstellungen stieg die Teilnahme der gemeldeteten Hunde enorm an, in Hamburg Altona (1869) waren es 1.353 gemeldete Hunde und in Bad Cannstadt (ehemals Kannstadt) (1871) um die 1.900 Hunde. [4], [5]


Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs wurde eine Koordination der bislang in den verschiedenen Territorialstaaten verstreuten kynologischen Aktivitäten durch Hundeklubs möglich. 1875 richtete Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels als „Reformator der vaterländischen Jagdverhältnisse“ den ersten Zwinger „Wolfsmühle“ im hessischen Braunfels ein und züchtete dort internationale Rassehunde. [6]


Verein "Hektor" in Berlin


1876 gründetete sich der Verein "Hektor - Gesellschaft der Hundefreunde e. V. ".

Reklamemarke Berlin, Ausstellung von Hunden aller Rassen 1913, Hektor Gesellschaft der Hundefreunde e.V.
Reklamemarke Berlin, Ausstellung von Hunden aller Rassen 1913, Hektor Gesellschaft der Hundefreunde e.V.

Mitglieder waren bekannte Persönlichkeiten, wie z. B. Dr. Bodinus (Direktor des Berliner Zoos), Dr. Gustav Nachtigall (Afrikaforscher), Dr. Hartmann (Präsident der geographischen Gesellschaft), R. von Schmiedeberg (Redakteur der Zeitschrift "Der Hund"), Baron von Nolde, L. Kastan, Prof. Sperling (Maler). Die ersten Treffen fanden in Räumen des Zoologischen Gartens statt. Das Protektorat des Vereins übernahm Prinz Karl von Preußen (Bruder des Kaisers Wilhelm I.) und als Gönner-Mitglieder wurden Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels und der Oberst-Jägermeister Fürst von Pleß gewonnen. Die erste Ausstellung vom Verein Hector organisierte Ausstellung mit 127 Hunden fand vom 8.-12. Mai 1878 in den Räumen des Hohenzollerparks statt. [8]

Vorstellung von Rassehunden im Verein "Hektor" in Berlin. Ansicht während der Vorführung. (1878)
Vorstellung von Rassehunden im Verein "Hektor" in Berlin. Ansicht während der Vorführung. (1878)

Gründung der Delegierten-Commission DC


Am 26. April 1879 entstand die Delegierten-Commission, der erste Hundezuchtverband Deutschlands. Vorläufer der Delegierten-Commission war der 1878 gegründete Verein zur Veredelung der Hunderassen für Deutschland in Hannover. Dieser Verein wiederum entstand aus dem 1839 gegründeten Verein Hannoverscher Jagdverein. Ein sehr beliebter Verein, da man damit wegen der engen Beziehungen zum englischen Königshaus besonders gute Kontakte zur Kynologie hatte.

Die Aufgabe der Delegierten-Commission war es, die Rassestandards für deutsche Hunderassen festzusetzen - erst Jagdhunde, später Luxushunde (wozu der Spitz zählt) - und für ausländische Hunderassen übersetzt und für Deutschland verwendet und eingeführt.

Die Delegierten-Commission führte nach englischem Vorbild im Jahre 1880 das erste "Deutsche Hunde-Stammbuch" (D.H.St.B.) für alle Rassen ein. Und sie war neben dem Deutschen Kartell für Hundewesen (DKH) Gründungsmitglied der Fédération Cynologique Internationale (FCI) von 1911. [4]


Spezialisierung der Hundeklubs nach Hunderassen


In der Folgezeit, also nach 1880, gründeten sich im ganzen Deutschen Reich eine Vielzahl von Spezialhundeklubs, die sich ausschließlich mit einer Rasse beschäftigten, diesbezügliche Zuchtbücher führten und die Rasse nach ihren Vorstellungen zu vervollkommnen suchten. [2], [5]



Silber-Medaille Hundezucht-verein Süddeutschland München Steh. Victoria mit Lorbeerzweig vor Stadtansicht. / Text über Signet. ca 1904
Prämie vom Verein zur Züchtung reiner Hunderassen in Süddeutschland. Silber-Medaille (ca. 1904)

München ging einen Sonderweg und gründete 1880 den „Verein zur Züchtung reiner Hunderassen für Süddeutschland“, der auch eigene Ausstellungen durchführte. Sein Protektor war Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern (1859-1949). 1893 umfasste der Verein 658 Mitglieder. [9]


Im Januar 1888 wird der berühmte Deutsche Doggen-Club (DDC) gegründet, im Juni des gleichen Jahres der DeutscheTekkel-Klub (DTK). Der DDC ist der älteste heute bestehende kynologische Spezialklub in Deutschland, der DTK der älteste Gründungsverein desin 1906 gebildeten Kartells, das zu den Vorläufern des heutigen Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) e.V. gezählt wird. [5]


Die Nachfrage nach Gebrauchshunden für die Jagd kam vor allem von Seiten der Jäger und Forstbediensteten. Zugleich wurden Jagdhunde aber auch erworben, um sie ausschließlich als edle Haustiere zu halten. Dasselbe galt für die Schutz- und Nutzhunde, die „als Begleiter oder zum Schutz des Menschen und seines Eigenthums“ dienten. [7]

Dazu gehörten u. a. Doggen, Neufundländer, Bernhardiner, Pudel, Schäferhunde und auch die großen Spitze. Die dritte Gruppe waren kleine Schoßhunde wie Mops, Malteser, Zwergpudel, Toy-Spaniels oder Zwergpinscher und Zwergspitze. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich der Begriff „Luxushunde“ für Rassehunde aller Verwendungszwecke eingebürgert. [4]


1899 entstehen der Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) und derJagdgebrauchshundverband (JGHV) sowie der Verein für Deutsche Spitze e. V..



Die Anfänge der Spitzzucht in München


1883 wurden in München auf einer Hundeschau 20 Spitze ausgestellt,

1886 und 1892 waren es 15 bzw. 16 Spitze und

1893 waren es 29 Spitze.


In den ersten Zuchtbüchern, die der Verein für Deutsche Spitze vor dem 1. Weltkrieg herausgegeben hat, sind nur wenige Spitze aus München eingetragen. Hauptsächlich wurden Spitze zu der Zeit in der Umgebung des Rheins, in Württemberg (Stuttgart und Mannheim) sowie in Norddeutschland und in Berlin gezüchtet. [10]


ALEX von Olching (Wolfsspitz) Sohn von Dago am Ziel
ALEX von Olching (Wolfsspitz)

Frau Anna Sedlmayr war die erste Spitzzüchterin in München mit offiziell geschütztem Zuchtstättennamen. Sie hatte 4 Würfe zwischen 1913 - 1918 unter ihren Zwingernamen "vom Schwarzeck”. Ihr gehörte der Kleinspitzrüde “Prinz von Schwaben”, der etliche “1. und Ehrenpreise” einsammelte unter anderem 1912 in Nürnberg und in Pasing.


Große Spitze waren damals in München und Umland, zumindest in den offiziellen Zuchtbüchern, kaum vorhanden. Herr Karl Dieterle, Gärtnereibesitzer in Olching, besaß den 1913 geworfenen schwarzen Großspitzrüden “Castor IX Spitzerlust” aus der Zucht des Dr. von Uhden. Er erwarb 1920 die Wolfsspitzhündin “Erle am Ziel”aus Schweinfurt und begann eine kleine Zucht. Unter den Nachkommen von Erle am Ziel und Dago am Ziel war der erfolgreiche “Alex von Olching” (*22.10.1921), der zu einem bedeutenden Stammvater der heutigen Wolfsspitze wurde. Aus der Verpaarung mit z. B. Erle von Oldeshofen gingen einige Nachkommen in die weitere Zucht. [10]


 

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Zeitstrahl Entwicklungsgeschichte



100 Jahre - Chronik des VDH

vdh_chronik_1906-2006
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Herausgeber: VDH, Oktober 2006, www.vdh.de


 

Quellennachweise:

  • [1] Hans-Joachim Swarovsky (Hrsg.): BI-Lexikon Hundehaltung, Leipzig 1988

  • [2] Vgl. Ilgner, Der Hundesport, 32.

  • [3] Catalog der Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, Federvieh, der Geräthe und Maschinen, so wie der landwirthschaftlichen Erzeugnisse jeder Art, angemeldet für die Internationale landwirthschaftliche Ausstellung, [...] Hamburg, Executiv-Comité, 1863

  • [4] Spezialisierung als Marktstrategie. Die Hundebilder des Münchner Tiermalers Richard Strebel (1861 – 1940) Band I, Ines Pelzl, 2013

  • [5] Eckdaten zur Geschichte des VDH, PDF, Jubiläumsausgabe 1906-2006

  • [6] Ernst von Otto-Kreckwitz, ohne Titel, "Der Hund-Sport. Organ für Züchter und Liebhaber reiner Rassen", I, Heft 13, 1886

  • [7] Beckmann, Ludwig, Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes. 2 Bände, Braunschweig 1894

  • [8] www.wallenfels-pinscher.de

  • [9] Mitglieder-Verzeichniß des Vereins zur Züchtung Reiner Hunderassen in Süddeutschland (a.V.), Huber, 1893

  • [10] Verein für Deutsche Spitze e. V. Gruppe München, Autorin: Britta Schweikl

  • Foto "Alex von Olching" mit freundlicher Genehmigung von Janet Scheidig: www.spitzdatenbank.de




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